Andacht am lebendigen Wasser

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16.05.2021
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Eine Video-Andacht muss nicht zwingend in der Kirche aufgenommen werde. Der Bach beim Hofgut Rodenstein ist für diesen Sonntag die passendere Umgebung.


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Bald können wir wieder zusammenkommen. Am kommenden Sonntag, am Pfingstsonntag, feiern wir zusammen Gottesdienst. Je nachdem - vielleicht draußen vor der Kirche, vielleicht in der Kirche. Wir werden sehen. Aber wir werden zusammenkommen.
Auch jetzt sind wir miteinander verbunden im Namen Gottes -
Quelle des Lebens, menschgewordene Liebe, Kraft in unserer Mitte. Amen.
Psalm 27 ist der Psalm für die kommende Woche:
Der Herr ist mein Licht und mein Heil,
vor wem sollte ich mich fürchten.
Wenn Menschen kommen und Böses reden,
mein Gott, dann habe ich Angst.
Der Herr ist meines Lebens Kraft,
vor wem sollte mir grauen.
Wenn ich bedrängt werde,
dann fürchte ich mich.
Du bist meine Hilfe, Herr,
verlass mich nicht.
Du hältst deine Hand über mir.
Lass mich nicht allein.
Amen.

Wie, das fragen wir dich, Gott,
wie, bitte, sollen wir uns nicht fürchten?
Wir hören Nachrichten - wir sehen im Fernseher:
Die Pandemie in Indien, in Südamerika.
Raketen und Bomben im Heiligen Land.
Reiche werden reicher und Arme werden ärmer.

Wie, das fragen wir dich, Gott,
wie, bitte, sollen wir getrost und unverzagt sein?
Manchmal überwältigt uns das,
was wir hören und sehen.
Das Leiden.
Die Ungerechtigkeit.
Die Gewalt.
Höre unser Fragen, Gott.
Höre uns.
Und gib uns Mut.
Heute und jeden Tag neu.
Amen.
In Israel wird jedes Jahr im Herbst das Laubhüttenfest gefeiert. Das Fest dauert eine Woche. Im Johannesevangelium wird von Jesus erzählt:
Am letzten Tag, dem Höhepunkt des Festes, trat Jesus vor die Menschenmenge und rief laut: "Wer Durst hat, soll zu mir kommen. Und es soll trinken, wer an mich glaubt. So sagt es die Heilige Schrift: ,Ströme von lebendigem Wasser werden aus seinem Inneren fließen.'" Jesus bezog dies auf den Heiligen Geist. Den sollten die erhalten, die zum Glauben an ihn gekommen waren. Denn der Heilige Geist war noch nicht gekommen, weil Jesus noch nicht in seiner Herrlichkeit sichtbar war.

Wenn ich im Johannesevangelium lese, dann weiß ich, dass bei Johannes oft doppeldeutig ist, was Jesus sagt. Hier spricht er von Durst, den er mit lebendigem Wasser stillen will. In den Ländern am Mittelmeer kennt man den Durst, der die Zunge an den Gaumen kleben lässt und man weiß um die Bedeutung von Wasser, das nicht abgestanden, sondern frisch und fließend ist. Zugleich spricht Jesus von einem anderen Durst und einem anderen Wasser.
Manches, das einem im Leben fehlt, lässt sich am besten mit Durst oder Hunger beschreiben. Der Hunger nach Leben, der Durst nach Freiheit.
Wenn man sich gerade umhört, dann ist sehr eindeutig, was den meisten von uns fehlt: Menschen.
Menschen, mit denen man sich ohne Abstand trifft. Menschen, die einfach schnell noch auf einen Kaffee mitreinkommen, ohne dabei an Ansteckung und Corona zu denken. Viele Menschen, die man auf den Festen getroffen hätte, die alle ausgefallen sind. So vieles fehlt: Gesundheit und ein leichtes Leben in Zeiten von Krankheit, Unbeschwertheit, wenn wir uns um einen anderen Menschen Sorgen machen, Kraft und Energie, wenn es viel zu viel zu tun gibt und wir gar nicht alles schaffen.
Der Durst nach einem guten Leben, der plagt jeden von uns immer wieder. Viele von uns gerade jetzt.
Jesus sagt: Wer Durst hat, soll zu mir kommen.
Keiner soll durstig sein. Keinem soll etwas fehlen, wenn es nach Jesus, wenn es nach Gott geht.
Ja, wie denn, möchte ich ihn gerne fragen.
Nicht sofort oder von jetzt auf gleich. Wer bei Jesus trinkt, wird seinen Durst nicht sofort los. Wer auf diesen heiligen Geist wartet, den er verspricht, braucht manchmal ganz schön Geduld.
Oft wünsche ich mir neue Lebenskraft und Energie und brauche sie wirklich dringend. Und muss dann noch ziemlich lange darauf warten, bis sie kommt und es mir besser geht.
Ich kann den Durst besser ertragen, wenn ich weiß, dass er gestillt werden wird. Er ist noch da, aber er wird vergehen.
Irgendwann wird uns all das nicht mehr fehlen, was wir gerade so sehr vermissen.
Jesus gibt uns sein Wort: Ich werde euren Durst nach Leben stillen.
Darauf zu warten, zu hoffen, zu vertrauen und mit vielen, vielen anderen Christen hier bei uns und weltweit dafür zu beten, das ist schon jetzt wirklich etwas anderes, als einfach in einem tiefen schwarzen Loch zu versinken. Amen.

Und wir können es ihm sagen:
Ach Gott, sieh uns an.
Wir sind durstig nach Leben.
Stille unseren Durst.

Gott, höre uns,
wenn wir um Frieden bitten
in Israel, im Heiligen Land,
in deiner Stadt Jerusalem.
Du bist die Quelle des Friedens.
Stille unseren Durst.

Gott, so viele Konflikte in unserem Land!
Hilf uns, Ausgleich zu schaffen
Zwischen Jung und Alt,
zwischen Gesunden und Kranken,
zwischen denen, die sich im Internet und auf der Straße
beschimpfen und auf ihrer Meinung beharren.
Du bist die Quelle der Gerechtigkeit.
Stille unseren Durst.

Stille unsere Sehnsucht nach Leben, nach einem guten Leben.
Lass uns selber Lebendigkeit verströmen.
Du bist die Quelle des Lebens.
Stille unseren Durst. Amen.

Gott segne und behüte uns.
Gottes Geist beflügele unsere Fantasie.
Gottes Atem lebe in unseren Träumen.
Gottes Großzügigkeit ermutige uns zum Teilen.
Gott begleite uns auf jedem Schritt
in all unserem Tun und Lassen
- heute und morgen und jeden Tag.
Gott gehe mit uns und schütze uns. Amen.


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