LOGO Evangelische Kirche

Evangelische Kirchengemeinde Fränkisch-Crumbach

Vorstellung von Irmgard Sykora als Prädikantin

Logo Evangelisch


Neue Prädikantin der Kirchengemeinde  vorgestellt.

Im Gottesdienst am 29.01.2006 wurde die Kirchenvorsteherin Irmgard Sykora der Gemeinde als neue Prädikantin vorgestellt.  Obwohl ihre Beauftragung durch die Pröpstin Karin Held nun schon ein viertel Jahr zurück liegt, ergab sich erst jetzt die Gelegenheit, sie in würdiger Form in unserer Kirchengemeinde zu begrüßen. 
Aus diesem besonderen Anlass hatte der Kirchenchor so heimlich geprobt und sich für diesen Sonntag verabredet, dass Frau Sykora, die selbst Mitglied dieses Chores ist, erst kurz vor Beginn des Gottesdienstes von den  Änderungen in ihrem Gottesdienstplan erfuhr.
In ihrer Predigt, deren Text sie unten nachlesen können, bat sie mit dem Autor des Epheserbriefes um erleuchtete Augen des Herzens.

Pfarrer Armin Mohr dankte nach der Predigt dafür, dass Frau Sykora die Mühen der Prädikantinnenausbildung auf sich genommen hat und in vielfältiger Weise für die Gemeinde und das Dekanat tätig ist.
Viele Gottesdienstbesucherinnen und Besucher nahmen die Einladung zu einer kleinen Feier im Gemeindehaus an und wünschten der neuen Prädikantin viel Freude und Glück bei ihrem Wirken
Predigt zu Epheser 1, 15 – 20a

Der Predigttext für den heutigen Sonntag steht im Epheserbrief, den ein Schüler des Apostels Paulus in dessen Geist und Sinn verfasst hat.
Wir hören aus dem 1. Kapitel die Verse 15 – 20a.

15 Darum auch ich, nachdem ich gehört habe von dem Glauben bei euch an den Herrn Jesus und von eurer Liebe zu allen Heiligen,
16  höre ich nicht auf, zu danken für euch, und gedenke euer in meinem Gebet,
17 daß der Gott unseres Herrn Jesus Christus, der Vater der Herrlichkeit, euch gebe den Geist der Weisheit und der Offenbarung, ihn zu erkennen.
18 Und er gebe euch erleuchtete Augen des Herzens, damit ihr erkennt, zu welcher Hoffnung ihr von ihm berufen seid, wie reich die Herrlichkeit seines Erbes für die Heiligen ist
19 und wie überschwänglich groß seine Kraft an uns, die wir glauben, weil die Macht seiner Stärke bei uns wirksam wurde,
20 mit der er in Christus gewirkt hat. Durch sie hat er ihn von den Toten auferweckt.

Gott, wir bitten um deinen Geist, dass wir recht verstehen. Amen

Liebe Gemeinde!
Welch große Worte.
Wie aus einer anderen Welt klingen sie zu uns und wir können ihren Gehalt gar nicht gleich erfassen. Das sind keine Alltagsworte,
sie sind groß und überschwänglich, muten uns fremd an
und haben vielleicht doch einen eigentümlichen Reiz.
Der gehörte Text ist ein Gebet.
Der Verfasser des Epheserbriefes schreibt nicht nur einfach einen Brief an christliche Gemeinden.
Er vermittelt auch keine Lehren.
In weiten Teilen ist sein Schreiben ein Gebet - für die Gemeinden und zugleich ein Gebet, das er mit ihnen beten will.
Mit Anklängen an jüdische Gebetssprache lobt der Schreiber Gott für den geschenkten Segen und beschreibt in Ausführlichkeit den Reichtum seiner Gnade.
Durch den Wir-Stil verbindet er sich mit den Hörerinnen und Hörern und nimmt sie mit hinein in sein Beten. Er nimmt sie mit hinein in das Feld der Kraft, mit der er sich verbindet und in deren Strom, der zu ihm und auch zur Gemeinde fließt.

Was wir hörten ist Liturgie, liturgische Sprache.
Das ist nichts zum Erklären und Deuten, das ist etwas zum Erleben und sich darauf Einlassen.
Liturgische Sprache ist eine poetische Sprache, sie ist wie Lyrik, wie ein Gedicht oder ein Lied.
Liturgische Sprache lässt Raum.
Sie holt die Zuhörerinnen und Zuhörer nicht dort ab wo sie sind, sie lässt sie vielmehr ahnen wo sie nicht mehr oder noch nicht sind.
Sie weist über das Gegenwärtige hinaus.
Wir verstehen zwar die Worte – und ahnen gleichzeitig etwas, was unseren begrenzten Horizont übersteigt.
Liturgische Sprache bringt etwas Größeres zum Ausdruck als ich vielleicht im Augenblick bereit bin zu unterschreiben,
dem ich vielleicht nicht in allem Einzelheiten jetzt zustimmen könnte.
Liturgische Sprache eröffnet einen Raum,
einen Raum, der Möglichkeiten bietet,
in den wir noch hineinwachsen können,
in dem wir über unser gegenwärtiges Selbst hinauswachsen können.

Liturgische Sprache hat ihren Ort.
Sie passt nicht überall hin, nicht in eine Unterhaltung oder in einen Zeitungsbericht.
Sie wäre zu groß für ein Gespräch und wir würden uns scheuen, solche Worte woanders als in besonderen Räumen zu sprechen und zu hören.

Kirchen sind bei uns die Orte, wo gebetet wird, wo liturgische Sprache gesprochen wird.
Und in diesen großen Worten können sich die versammelten Menschen finden,
sie können sich mitnehmen lassen,
sich von ihnen anrühren und tragen lassen
in ihren Freuden, mit ihrem Dank ,
mit ihren Klagen und Nöten, in mancherlei Leid und Bedrängnis.

Es ist gut, dass es solche Orte gibt,
wo man hingehen kann,
wo man aufgehoben ist mit dem jeweils eigenen, oft widersprüchlichen Sein,
wo sich die Sehnsucht nach heilem Sein,
nach Frieden und Gerechtigkeit,
nach Ruhe und Angenommen-Sein ausdrücken darf.
Und es ist gut, dass ich keine eigenen Worte dafür finden muss,
sie werden mir dort geliehen.
Sie sind mir viel zu groß
und vielleicht bin ich auch völlig sprachlos in meiner Situation.
Ich könnte sie nie selbst aussprechen.
Aber dort werden sie für mich gesprochen.

Die dort versammelten Menschen tragen mich in ihrer Gemeinschaft mit.
Sie sind versammelt in ihrem gemeinsamen Blick auf eine Mitte,
in ihrer Ausrichtung auf die Botschaft von Jesus Christus,
in ihrer gemeinsamen Suche nach Hoffnung aus dieser Botschaft.
Sie lassen sich die alten Worte zusprechen.
Sie versammeln sich zum gemeinsamen Hören auf heilsame Worte,
auf die uralten Geschichten, in denen Weisheit steckt, die auch uns in unserer heutigen Zeit und Welt etwas sagen kann.
Im gemeinsamen Singen werde ich hineingenommen, mitgenommen und im Gebet mit eingeschlossen.
Manchmal brauchen Menschen das -
und es ist gut, dass sie wissen, dass es eine Gemeinde gibt.
Kirche ist da
und regelmäßig und zuverlässig ist Gelegenheit, dorthin zu gehen und an den Versammlungen, den Gottesdiensten teilzunehmen.

Das ist Grund zum Danken.
Wir hörten sogar begeisterte und überschwängliche Worte des Dankens.
Da dankt einer in großen Worten dafür, dass es eine Gemeinde gibt.
Da freut sich einer an der Gemeinde und lobt Gott dafür,
dass sie überhaupt existiert.
Diese überschwänglichen Dankesworte stehen so absolut im Kontrast dazu wie bei uns üblicherweise von Gemeinde geredet wird.
Wie reden wir selbst von unserer Gemeinde?
Für viele Menschen ist sie meist nicht von besonderer Bedeutung, sie ist eben selbstverständlich da, sozusagen als Rückhalt und das ist auch gut so – denn manchmal braucht man sie eben.
Wie reden Menschen, die in Leitungsverantwortung stehen, Kirchenvorstände, Synodale, Kirchenleitung?
In deren Reden ist fast nie von Dank die Rede. Meist geht es um ein Aufzählen von Defiziten und Mängeln, um rückläufige Mitgliederzahlen und damit verbunden um geringere finanzielle Möglichkeiten durch sinkende Kirchensteuereinnahmen.
Dadurch bedingt werden Pfarrstellen neu berechnet, bewertet, gekürzt.
Aus Sorge um den Erhalt der Gemeinden werden Anstrengungen unternommen und Angebote ausgedacht, um mehr Menschen anzusprechen und neue Zielgruppen zu erreichen.
Es werden neue Formen ausprobiert, die Sprache vereinfacht, der Inhalt verflacht. Die Hemmschwelle soll möglichst niedrig gehalten werden, damit der Zugang vereinfacht wird.
Es gibt viele ernsthafte Bemühungen von Menschen – aber all das Machen und Tun scheint nicht viel Erfolg zu bringen. Es nützt wohl nichts, den Menschen hinterher zu gehen.

Der Verfasser unseres Textes schreibt es nicht dem Entschluss von Menschen zu, dass es Gemeinden gibt.
Es sieht es als Gottes Wirken, das sie zusammenführt und er sieht es als ein Wunder an, wenn Menschen zum Glauben kommen,
ein Wunder – von der selben Kraft gewirkt, die Jesus vom Tod zum Leben gebracht hat.

Der Predigttext mutet den Zuhörenden etwas zu.
Er kommt ihnen nicht entgegen.
Er stellt in seiner Fremdheit eine Herausforderung dar
und steht vielleicht auch ihren Erfahrungen entgegen.
Aber er traut den Zuhörenden zu, er traut uns zu, dass wir uns aufs Zuhören einlassen und uns mitnehmen lassen.

Ohne die Zumutung des Mitdenkens und des Sich-Einlassens ist die Botschaft nicht zu begreifen.
Darum auch die Fürbitte um tieferes Verstehen,
um das vertiefte Verstehen des eigenen Lebens und der jeweils eigenen Existenz von Gott her, vom gnädigen Gott her.
Und der Predigttext traut vor allem Gott etwas zu,
dass seine Kraft bei der zuhörenden Gemeinde – also auch bei uns - wirksam werden möge,
dass wir mitgenommen werden.
Denn es ist nicht das Ergebnis eigener Bemühungen und eigenen Wollens ob wir glauben können, ob wir angerührt oder gar ergriffen werden.
Wir hörten: wie überschwänglich groß ist seine Kraft an uns, die wir glauben, weil die Macht seiner Stärke bei uns wirksam wurde, mit der er in Christus gewirkt hat. Durch sie hat er ihn von den Toten auferweckt.

Das ist entlastend.
Ich habe es nicht in der Hand,
ich habe mich nicht in der Hand,
ich kann nur um Offenheit und Bereitschaft bitten.

Um erleuchtete Augen,
um erleuchtete Augen des Herzens bittet der Verfasser unseres Textes – für die angesprochene Gemeinde und auch für uns.
Was für ein sonderbares Bild.
Das Herz ist für uns das Zentrum des Gefühlslebens. Dass es aber Augen hat und damit die Möglichkeit zu erkennen, das klingt ungewöhnlich.
Nach biblischem Verständnis ist das Herz der Sitz des Verstehens.
Das Auge vernimmt und empfängt, stellt also die Verbindung zur Welt her – und das Herz ordnet das Wahrgenommene ein.
Vielleicht erinnern Sie sich an die Geschichte vom kleinen Prinzen von Antoine de Saint-Exupéry. Liest man das heute noch in der Schule? Habt Ihr das schon kennen gelernt?
Dort findet sich der viel zitierte Satz: Man sieht nur mit dem Herzen gut, das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.
Mit dem Herzen sieht man eben nicht nur das, was vor Augen liegt, sondern mehr und tiefer, gleichsam, das was dahinter liegt.
Es ist ein liebevoller Blick, der im Kleinen schon das Große sieht, im Zerbrochenen das Heile, im Schwachen die Kraft.

So sehen Eltern ihre Kinder an, zumindest solange sie klein sind. Später wird das schwieriger, das wissen die Jugendlichen, da gibt es manche Konflikte -
und eben dafür erbitten wir erleuchtete Augen des Herzens
und zwar für beide Seiten, denn auch Eltern sind darauf angewiesen.

So sehen sich verliebte Menschen an
und wir bitten, dass der liebevolle Blick auf den Anderen erhalten bleiben möge -
auch wenn die Schwierigkeiten des Alltags miteinander bewältigt werden müssen.

So wünschen wir uns, dass Lehrende die ihnen anvertrauten Schülerinnen und Schüler ansehen,
dass sie eben nicht nur die Fehler und Mängel bemerken, sondern die Bemühungen und die Möglichkeiten zur Entwicklung.

Diesen Blick wünschen sich auch alte Menschen,
dass sie nicht nur die Ungeduld über das Nachlassen ihrer Kräfte und Fähigkeiten spüren,
sondern Großzügigkeit und die Freude an dem, was sie zu sagen und zu geben haben.

Diesen Blick brauchen alle Menschen,
sind sie, sind wir doch alle auf Nachsicht und Güte angewiesen.

Mit diesem Blick der liebevollen Güte ist Jesus seinen Mitmenschen begegnet.
Er sah sie an, die vor den Augen der Menschen kein Ansehen hatten.
Er gab ihnen neue Lebensperspektiven.
Er sah ganz genau hin, hat das jeweilige Problem genau erkannt und nichts beschönigt.
Er sah aber auch mehr. Sein schöpferisches Sehen wandelt um.
Jesus brachte – und bringt - die Menschen in Verbindung zur Kraft Gottes.
Jesus verweist auf Gott und lässt die Gotteskraft ungehindert durch sich wirken.
Er gibt damit die Möglichkeit zur Umkehr und zu einem neuen Anfang.

Der liebevolle Blick sieht die Möglichkeiten, die in der jeweiligen Situation vorhanden sind,
er sieht unter dem Vorzeichen der Hoffnung.
Glaube ist die Fähigkeit, die Tiefe und Bedeutung im Gewöhnlichen und dahinter zu sehen.
Und das ist weitaus mehr als die gelegentlich angepriesene Art, positiv zu denken,
diese anscheinend so einfache Möglichkeit, sich das Leben schön zu reden.
Denn das Leben ist nicht einfach
und es bringt Brüche und Rückschläge mit sich.

Vielleicht ist es das, was Menschen in Jesu Nachfolge kennzeichnet:
ein Gespür dafür, dass bei allem, was im Leben gelingt und was geschenkt wird,
sie sich nicht selbst in der Hand haben
und dass eine Bedürftigkeit bleibt.
In den Erfahrungen von Vorläufigkeit und Anfechtung rechnen sie mit der Kraft Gottes.
Es ist gar nicht so leicht, daran festzuhalten und sie zu erkennen.
Oft kommen Zweifel auf.
Und dann geht es ihnen so wie den Jüngern auf dem See – wie wir in der Altarlesung gehört haben.
Sie erfahren: Gottes Kraft bewahrt nicht vor den Stürmen des Lebens
und vor Erfahrungen des Leids -
aber sie kann durch sie hindurch führen.

Erleuchtete Augen des Herzens brauchen wir, damit wir wahrnehmen und glauben können,
was Gott für uns bereithält: Hoffnung und Kraft -
damit wir etwas hören können, das tiefer reicht als der Zweifel.
Wir bekommen diese Kraft nicht wie einen Besitz,
wir können sie nicht machen und selbst bewirken und können nicht nach unserem Belieben darüber verfügen.
Wir können aber darum bitten -
und ihr etwas zutrauen,
dass sie in uns und durch uns zu wirken in der Lage ist.
Sie ist Gabe und Aufgabe.

Gemeinde ist der Ort, wo die Bedürftigen zusammen finden.
Gemeinde selbst ist bedürftig vor Gott – und sie braucht auch nicht großartig zu sein.

Großartig und überschwänglich ist die Kraft Gottes.
Denn es ist dieselbe Kraft, die uns Glauben und Hoffnung schenkt, die in Christus gewirkt hat.
Sie hat ihn vom Tod zum Leben gebracht.
Und zum Leben, zum erfüllten Leben will sie auch uns bringen.
Amen


ZURÜCK

[Counter]